NorGer: Wasserkraft aus Norwegen anstatt deutscher AKW

Bundesregierung sieht keinen Handlungsbedarf

In Deutschland werden Atomkraftwerke mit der Begründung, dass Deutschland sonst nicht genug Strom hätte, nicht vom Netz genommen. In Norwegen hingegen gibt es keine Atomkraftwerke und dennoch ist genug Strom für alle vorhanden. Sogar die Heizung wird in Norwegen oft mit Strom betrieben. Das liegt daran, dass Norwegen über 98% seines Energiebedarfs aus Wasserkraft deckt und darüberhinaus noch Energie exportiert.

 

Auch nach Deutschland könnte Norwegen Energie exportieren. Um dieses Vorhaben zu realisieren, haben sich mehrere Unternehmen zusammengeschloßssen und wollen im Rahmen des Projektes "NorGer" ein 600km langes Kabel durch die Nordsee nach Deutschland verlegen. Über dieses Kabel könnten 1400 Megawatt ins Deutsche Netz eingespeist werden. Das ist soviel, wie das Atomkraftwerk Unterweser produziert (insgesamt könnte Norwegen soviel Strom exportieren, dass 60 europäische Atomkraftwerke überflüssig wären).

 

Zu schön um wahr zu sein, denn durch die deutsche KraftNAV (Kraftwerks-Netzanschlussverordnung) ist zwar geregelt, dass Kraftwerke ständig Strom ins Netz einspeisen dürfen, aber das Seekabel aus Norwegen gilt nicht als "Kraftwerk" und fällt nicht unter diese Verordnung. Das Kabel könnte demnach einfach vom Netz abgeklemmt werden, wenn z.B. zu viel Atomstrom das Netz blockiert.

 

Ein Projekt wie NorGer, das mit 1,4 Mrd. EUR realisiert werden soll, kann aufgrund dieser Tatsache wirtschaftlich nicht umgesetzt werden, denn für ein Projekt wie NorGer muss die Einspeisung ins deutsche Netz garantiert sein. Eine entsprechende Ergänzung der KraftNAV um das Wort "Seekabel" würde diesen Mißstand beheben. Aber das Bundeswirtschaftsministerium sieht dafür keinen Änderungsbedarf.

 

Was soll man dazu sagen? Atomkraftwerke in Deutschland bleiben am Netz weil sonst angeblich der Strom knapp werden würde. Norwegen könnte genau diesen Strom nach Deutschland liefern, dieser Strom wäre sogar noch ca. 1/3 billiger, aber die Regierung scheint daran kein Interesse zu haben...

 

Beitrag über NorGer aus dem ARD mit weiteren Informationen:

http://www.youtube.com/watch?feature=player_embedded&v=KjEOlEHyBGI

Datum: 27. September 2010
Kategorien: Atomausstieg, Politisches, Erneuerbare Energien
Anzahl Aufrufe: 8830
12 Kommentare
Willi Constantin schrieb am 06. April 2013:
Strom aus Wasserkraft in der Weiterentwicklung

Gibt es denn heute noch jemand der sich für so etwas interessiert oder können

Sie mir weiterhelfen. Höre gerne von Ihnen. Danke und freundliche Grüße,, XPOVQ

Johannes Döh schrieb am 30. Juni 2011:
Immer auf dem Teppich bleiben

Eine ausgiebige Recherche ist lohnenswert. NorGer ist sicher ein vielversprechender Lösungsansatz, aber nur ein Teil eines Gesamtkonzeptes, welches noch auf wackligen Füßen steht. 60 Atomkraftwerke lassen sich nur ersetzen, wenn 60 Kabel durch die Nordsee verlegt werden würden. Das ist Utopie, über 3 bis 4 könnte man spekulieren.

Die eigentliche Frage wird kaum wahrgenommen. Man muss dezentral in Deutschland versuchen, regenerative und generative Energiegewinnung zu etablieren und effiziente Speichermöglichkeiten zu schaffen, um beispielsweise Schwankungen ausgleichen zu können. Das Problem an der Sache ist eigentlich, dass man Jahrzehnte auf Kernenergie gesetzt hat und dabei die Forschung und Entwicklung in umweltverträgliche Energieversorgung regelrecht verschlafen hat. Man ist nun gezwungen, diese verschlafene Zeit aufzuholen. Nur mal so als Gedankenspielerei: Vor knapp zwei Jahrhunderten gab es noch viele Wind- und Wasserkraftmühlen, die im Prinzip Energie lieferten, um lapidar Mehl zu mahlen. Dazu brauchte man keine großen Berge und große Stauseen, sondern dezentral wurde diese Energie gewonnen...

Gregor Meinig schrieb am 06. Juni 2011:
Wasserkraft statt Atom!

Warum solche Angaben gemacht werden weiss wohl kein Mensch, es ist doch eindeutig, dass durch Wasserenergie sehr viel günstiger und auch definitiv grüner Strom erzeugt werden kann.

Ich habe auch vor, meinen Anbieter zu wechseln, um der Atomkraft zu entfliehen und versuche mich im Vorfeld gut zu informieren. Zum Beispiel habe ich die folgende Seite gefunden, die ich sehr gut finde:

www.oekostrom.org/index.php/2011/05/22/wasserenergie/

Grüße

Gregor

Hermes Conrad schrieb am 11. April 2011:
Warum in die Ferne schweifen?

Wenn die Norweger so einen Überschuss an Strom haben, wäre es da nicht einfacher, sie verkauften ihn ihren schwedischen Nachbarn, die derzeit drei Atomkraftwerke in Forsmark, Ringhals und Oskarshamn betreiben? Eine Leitung nach Schweden müsste doch schnell gelegt sein. Und wenn 60 AKWs abgeschaltet werden können, wären die drei schwedischen doch offensichtlich die erste Wahl.

 

Meine Vermutung ist eher: In Deutschland ist die Nachfrage nach Ökostrom hoch. Aber der produzierte Ökostrom ist quasi nutzlos, weil er von Sonneneinstrahlung und Wind abhängt und somit keine durchgehende Versorgungssicherheit gewährleistet ist. Deswegen haben die Ökostromanbieter auch fast keinen solchen Strom im Angebot. Stattdessen liefern sie Strom aus Wasserkraft, der immer fließt. Siehe: www.oekostrom-vergleich.com/oekostromanbieter.php

 

Im Fall von Greenpeace Energy sogar 99% Wasserkraft. Bei der Erzeugung macht diese Art Strom aber nur 6,5% des in Deutschland produzierten Ökostroms aus. Da aber der Rest nutzlos ist, muss aus dem Ausland zugekauft werden. Bislang vorwiegend aus der Schweiz, dre Viertel des Wasserkraftstroms auf dem deutschen Markt stammen aus Importen. Aber die Schweizer geraten an Kapazitätsgrenzen, haben ihren Wasserkraft-Ökostrom schon weitgehend exportiert und dafür Atomstrom aus Frankreich importiert. Da hilft dann NorGer weiter. Und die Norweger ersetzen den teuer verkauften Wasserkraft-Ökostrom ihrerseits mit schwedischem Atomstrom, weil es ihnen egal ist, womit sie ihre Häuser heizen und sie die Differenz aus dem Dreieckshandel gern in die Tasche stecken. Genau wie die Schweizer. Und die Deutschen, die zahlen fürs gute Gewissen.

SOTH ISARINDIAN schrieb am 27. März 2011:
WEG MIT Herrn BRÜDERLE / FDP

Wenn der Wirtschafts Minister die KraftNAV geändert hätte, könnten ab sofort alle AKWs abgeschaltet werdn- Ich sage: MINISTER BRÜDERLE SOLL ZURÜCKTRETN, im Vergleich zu seinem Handeln ist K.T.zu Guttenberg's Handlen eine Lapalie ! Ein Minister der so handelt wie R.Brüderle, ist unhaltbar, Frau Merkel !

JustMe schrieb am 18. März 2011:
Wenn ...

Wenn die vielen Wasserkraftwerke in Norwegen doch so viel Strom erzeugen können das man 60 Atomkraftwerke schließen könnte dann ist dies doch wohl mehr als Grund genug dies auch zu tun.

 

Kann man aber nicht. Einfach mal etwas googeln oder wikipedia Zahlen anschauen und dann sieht man, dass das einfach nicht simmt

Infostreuer schrieb am 18. März 2011:
Re: Fließt wirklich nur Ökostrom?

"Aber wer garantiert eigentlich hierbei, dass ausschließlich Ökostrom von Deutschland nach Norwegen fließen wird?"

 

Der Strom aus Atomkraftwerk "fließt" kontinuierlich und ist planbar. Anders sieht es dagegen bei Windkraft aus (und ähnlichen öko-Quellen). Das ist auch ihre Schwachstelle: keine Planbarkeit. Bei viel Wind gibt es viel Strom und der kann ggf. nicht abgenommen werden, weil z.B. kein Bedarf da ist oder schon vorher zu viel Strom aus anderen Quellen da ist [z.B. Atomkraft-> siehe Abschaltung]. Die Ausrede "das Netz ist voll" wäre dank der Pumpspeicherwerke in Norwegen kein Thema mehr und der (immer noch teurere) Öko-Strom könnte damit in höheren Mengen abgenommen werden. Ein weiterer Grund: Die Spitzenlast ist ein riesiges Problem von Stromanbieter, sie geben deswegen viel Geld für Zusatzverträge/Zusatzmaßnahmen aus, um diese Spitzen auszugleichen und kaufen ggf. recht teuer fremden Strom von anderen Anbietern.

 

Die großen Kraftwerke brauchen sehr lange Zeit, um auf einer höheren/kleineren Nachfrage zu reagieren. Dafür gibt es kleinere auf fossile Brennstoffe beruhende Kraftwerke z.B. gasbetriebene Anlagen etc. Eine Pumpspeicherlösung in Zusammenarbeit mit Norwegen + Windkraft [...] wären vielleicht eine weitere Reduktion vom fossilen Brennstoffverbrauch.

 

"Wie sieht es dann aus, wenn nachher Atomstrom in norwegische Wasserkraft umgewandelt wird und dann später als sauberer Ökostrom zurückverkauft wird? Ökostrom ist teurer und ist der dann noch öko wenn die Energie dafür aus Atomkraft stammt und Flüsse staut?"

 

Solange z.B. Windkraft nicht planbar ist, müssen die Netze mit anderen Alternativen versorgt werden z.B. Atomstrom/Gas/Kohle (Verträge und Abnahmemengen mittel+langfristig geplant). Kommt plötzlich mehr Wind, gäbe es theoretisch mehr Öko-Strom. Praktisch aber nicht - die Netze können es nicht aufnehmen. Der "überflüssige Strom" ist weg (100% Verlust). Falls gespeichert - wären z.B. noch 90% da (falls nur 10% Verlust). Selbst wenn nach Pumpspeicherwerk + Rücktransport noch 40% der Energie zur Verfügung ständen - sind das 40% mehr Strom aus z.B. Windkraft, die zum richtigen Zeitpunkt zugeführt werden können (die Frage hier wäre, ob eine Windanlage im Betrieb nennenswert schneller altert, als im Stillstand und ob sich z.B. 40% Effektivität noch lohnen). Fakt ist: langfristig kann so viel schneller auf "öko"-Energie umgestellt werden.

 

Wer garantiert, dass der deutsche Atomstrom nicht nach Norwegen kommt: Sollte der Strom in Norwegen tatsächlich 30% günstiger als in Deutschland sein, liegt es nahe, dass man Strom aus Wasserkraft günstiger kauft und vorwiegend aus Norwegen importiert (Marktwirtschaft). Weiterhin ist die Regierung gerade gewillt, viele Atomkraftwerke abzuschalten -> Energiemangel-> günstiger Ökostrom.

 

Man bedenke in dieser Debatte auch, dass die Industrie große Mengen von Energie (Strom) zu günstigeren Konditionen als die Haushalte bekommt. Die Industrie kann den Wandel zu umweltbewusster Energieerzeugung ebenfalls kräftig unterstützen.

 

 

Rainer Höhle Geb. 19.02.1948 schrieb am 12. März 2011:
AKW- NEE - SOFORT AUS

Es kann nicht angehen, dass unsere Politiker, zumindest teilweise, diese Sache nicht ernst nehmen bzw. ignorieren.

Auf zum Weg nach Berlin! WER macht mit!

Gerade nunnmehr nach dem 11.03.2011 in Japan.

AKW`s aus, SOFORT!

 

Johannes055 schrieb am 07. März 2011:
Keinen Handlungsbedarf aus Sicht der Regierung? Was soll das?

Ich kann überhaupt nicht nachvollziehen warum die Regierung bei diesem Projekt keinerlei Handlungsbedarf sieht und es in keiner Weise unterstützen will. Mittlerweile sind doch unsere Meere und Ozeane voll von allen möglichen Leitungen. Es ist mir unbegreiflich das es ausgerechnet bei diesem Vorhaben auf einmal so schwierig ist dieses Projekt zu unterstützen. Wenn die vielen Wasserkraftwerke in Norwegen doch so viel Strom erzeugen können das man 60 Atomkraftwerke schließen könnte dann ist dies doch wohl mehr als Grund genug dies auch zu tun. Kein Kraftwerk erzeugt auch nur annähernd so umweltfeindliche Abfälle wie die Atomkraftwerke. Es gibt leider keine Möglichkeit radioaktive Abfälle wirklich sicher zu entsorgen oder zu lagern. Wann werden unsere Politiker endlich mal einsehen das es dringend Zeit wird mehr in erneuerbare umweltfreundliche Energien zu investieren. Norwegen hat nun mal mehr Möglichkeiten Wasserkraftwerke zu bauen als Deutschland. Umweltschutz geht alle an und sollte auf jeden Fall Vorrang vor irgendwelchem Konkurrenzdenken der verschiedenen Energieversorger haben. Wenn mehr Menschen Stromanbieter wählen würden die einen hohen Anteil an Ökostrom liefern müssten auch unsere Politiker dementsprechend reagieren und solche Energien viel mehr fördern. Ich empfinde es als große Katastrophe das unsere Regierung solche Projekte mit der Ausrede es bestehe kein Handlungsbedarf einfach behindert.

Johannes055 schrieb am 07. März 2011:
Keinen Handlungsbedarf aus Sicht der Regierung? Was soll das?

Ich kann überhaupt nicht nachvollziehen warum die Regierung bei diesem Projekt keinerlei Handlungsbedarf sieht und es in keiner Weise unterstützen will. Mittlerweile sind doch unsere Meere und Ozeane voll von allen möglichen Leitungen. Es ist mir unbegreiflich das es ausgerechnet bei diesem Vorhaben auf einmal so schwierig ist dieses Projekt zu unterstützen. Wenn die vielen Wasserkraftwerke in Norwegen doch so viel Strom erzeugen können das man 60 Atomkraftwerke schließen könnte dann ist dies doch wohl mehr als Grund genug dies auch zu tun. Kein Kraftwerk erzeugt auch nur annähernd so umweltfeindliche Abfälle wie die Atomkraftwerke. Es gibt leider keine Möglichkeit radioaktive Abfälle wirklich sicher zu entsorgen oder zu lagern. Wann werden unsere Politiker endlich mal einsehen das es dringend Zeit wird mehr in erneuerbare umweltfreundliche Energien zu investieren. Norwegen hat nun mal mehr Möglichkeiten Wasserkraftwerke zu bauen als Deutschland. Umweltschutz geht alle an und sollte auf jeden Fall Vorrang vor irgendwelchem Konkurrenzdenken der verschiedenen Energieversorger haben. Wenn mehr Menschen Stromanbieter wählen würden die einen hohen Anteil an Ökostrom liefern müssten auch unsere Politiker dementsprechend reagieren und solche Energien viel mehr fördern. Ich empfinde es als große Katastrophe das unsere Regierung solche Projekte mit der Ausrede es bestehe kein Handlungsbedarf einfach behindert.

Netzgucker schrieb am 10. Januar 2011:
Fließt wirklich nur Ökostrom?

Das Projekt klingt ja wirklich super, zumindest auf den ersten Blick. Aber wer garantiert eigentlich hierbei, dass ausschließlich Ökostrom von Deutschland nach Norwegen fließen wird?

Physisch lässt sich der Strom auf gar keinen Fall trennen und vom NorGer Konsortium gibt es auch keine verpflichtende Erklärung. Wer sich die Äußerungen auf den Infoseiten der NorGer genauer anschaut, der stellt schnell fest, dass allein von der "Möglichkeit" zur Übertragung von Windstrom gesprochen wird.

Wie sieht es dann aus, wenn nachher Atomstrom in norwegische Wasserkraft umgewandelt wird und dann später als sauberer Ökostrom zurückverkauft wird? Ökostrom ist teurer und ist der dann noch öko wenn die Energie dafür aus Atomkraft stammt und Flüsse staut?

Man darf auch nicht vergessen, dass während des Transportes auch Strom verloren geht. Wenn ich nicht irre, dann gehen je Strecke zwischen 7 und 10 Prozent des Stromes flöten. Wärs da selbst aus ökologischer Sicht nicht sogar besser den Atomstrom direkt vom Kernkraftwerk zu beziehen?

Thomas B. schrieb am 08. Dezember 2010:
Ich fasse es nicht...

Mir fehlen die Worte.

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